Im Gespräch mit urn:en Designer Jessica Maria Toliver
Jessica Maria Toliver eröffnet eine künstlerisch geprägte und zugleich zutiefst persönliche Annäherung an das Thema Tod und Erinnerung. Ihr Weg zur Gestaltung von Urnen ist das Ergebnis zahlreicher prägender Erfahrungen – von der Sterbebegleitung in der Familie über die Arbeit im Hospiz bis hin zur intensiven Auseinandersetzung mit Material und Vergänglichkeit in ihrer Kunst.
Für Jessica ist die Urne ein hochsymbolisches Objekt: ein verdichteter Bedeutungsraum und „letztes Haus“, mit dem man sich idealerweise bereits zu Lebzeiten auseinandersetzen kann. Mit ihrer T’URN-Kollektion entwickelt sie bewusst eine reduzierte, archetypische Form, die sich am Motiv des Eis orientiert – als Sinnbild für Ursprung, Transformation und Kreislauf des Lebens.
Ihr gestalterischer Ansatz ist stark materialgetrieben. Ausgangspunkt ist Papier beziehungsweise Pulpe, deren körperlicher Herstellungsprozess für sie ebenso bedeutend ist wie das fertige Objekt. Dabei verbindet sie natürliche Materialien, oft aus konkreten geografischen Kontexten, mit einer klaren, funktionalen Formensprache. Die Urnen sind bewusst vergänglich konzipiert und fügen sich in den natürlichen Kreislauf zurück.
Besonders prägend ist ihr Verständnis von Gestaltung als Prozess: In Workshops öffnet sie die Herstellung der Urnen für andere Menschen und schafft damit Räume, in denen Trauer aktiv verarbeitet werden kann. Die körperliche Arbeit mit Material wird so zu einem transformativen, fast therapeutischen Erlebnis.
Trotz ihres künstlerischen Anspruchs verlieren die Objekte nie ihre Funktionalität aus dem Blick – sie erfüllen praktische Anforderungen und sind zugleich so gestaltet, dass sie Nähe zulassen und auch im Alltag präsent sein können.
Im Umgang mit dem Tod plädiert Jessica für Offenheit. Für sie liegen Vergänglichkeit und Schönheit eng beieinander, und die bewusste gestalterische Auseinandersetzung kann helfen, Verlust zu begreifen und anzunehmen. Ihre Arbeit versteht sie als Einladung, sich frühzeitig und selbstbestimmt mit dem eigenen Abschied auseinanderzusetzen – nicht schwer, sondern sinnlich, reflektiert und mit einer gewissen Leichtigkeit.
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