Im Gespräch mit urn:en Designer René Odermatt
Das Gespräch mit René Odermatt gibt einen sensiblen Einblick in die gestalterische Auseinandersetzung mit Tod, Erinnerung und Form. Der Zürcher Produktdesigner beschreibt, wie ihn sowohl seine generelle Offenheit für ungewöhnliche Projekte als auch sein persönliches Interesse an kulturellen Abschiedsritualen zur Gestaltung von Urnen geführt haben – eine Aufgabe, die er als besonders bedeutungsvoll empfindet.Für Odermatt ist die Urne weit mehr als ein funktionales Objekt: Sie steht zwar rational für Endlichkeit, emotional jedoch für Erinnerung, Wertschätzung und einen Ort des Gedenkens. Genau hier setzt sein gestalterischer Ansatz an. Klassische Urnen empfindet er oft als schwer und wenig zeitgemäß, weshalb er bewusst nach einer leichteren, moderneren Formensprache gesucht hat. Seine Entwürfe verstehen sich als „letztes Haus“ des Menschen – ein Bild, das Intimität und Würde verbindet.Ein zentraler Aspekt seiner Arbeit war die Materialwahl: Die Urnen sollten nachhaltig, biologisch abbaubar und zugleich stabil sein sowie sich für den 3D-Druck eignen. Dieser technologische Zugang ermöglichte neue gestalterische Freiheiten und führte zu innovativen Formen, die teils Assoziationen zu architektonischen Einflüssen wecken.Odermatts Designprozess beginnt nicht mit einer Form, sondern mit Verständnis – für das Thema, das Team und vor allem für die betroffenen Menschen. Daraus entwickelt sich ein Ansatz, der Funktion, Emotion und Ästhetik verbindet. Sein Ziel ist es, mit seinen Urnen Momente der Ruhe, des Innehaltens und der Wertschätzung zu schaffen.Zugleich reflektiert er den gesellschaftlichen Umgang mit dem Tod, den er als oft tabuisiert wahrnimmt. Seine Arbeit versteht er als kleinen Beitrag zu mehr Offenheit und zu einer tröstlicheren Gestaltung von Abschiedsprozessen.Auch wenn er aktuell wieder an anderen Produktbereichen arbeitet, bleibt die Erfahrung prägend: Die Gestaltung von Urnen ist für ihn nicht nur Designaufgabe, sondern eine zutiefst menschliche Auseinandersetzung mit Verlust, Erinnerung und Nähe.
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