Im Gespräch mit urn:en Designer René Odermatt
Matthias Rehfeld
René, wie bist du dazu gekommen, eine Urne zu entwerfen?
Seit beinahe zehn Jahren arbeite ich als selbst-ständiger Designer. Grundsätzlich bin ich offen für unterschiedlichste Aufträge, sofern sie für mich stimmig sind. Das Thema Urnen fand ich jedoch schon immer besonders spannend – vor allem, weil mich die vielfältigen kulturellen Arten, mit Tod und Abschied umzugehen, sehr interessieren.
Als Katharina und Sebastian von Farvel mich kontaktierten, war ich sofort begeistert von ihrer Idee.
Was verbindest Du mit einer Urne und welche Emotionen löst es in Dir aus?
Gedanklich steht eine Urne für Abschied und Endlichkeit, emotional aber vor allem für Erinnerung und Wertschätzung. Sie gibt dem Verlust einen Ort und hilft dabei, dem Gedenken eine Form zu geben.
Die Farvel-Urnen brechen mit klassischen Formen. Was hat Dich an der klassischen Form der Urne gestört oder gerade gereizt?
Was mir aufgefallen ist, ist, dass viele klassische Urnen aus dunklem Massivholz gefertigt sind und oft durch Metalle wie Kupfer oder Messing ergänzt werden. Dagegen habe ich grundsätzlich nichts – viele dieser Entwürfe sind ganz okay aber sie wirken in der Tendenz eher schwer. Ich glaube daher, dass es durchaus noch Raum für neue, leichtere Ansätze gibt, um die Formensprache etwas moderner, frischer und vielfältiger zu gestalten.
“Die Urne ist ja irgendwie das letzte Haus, das man auf dieser Erde bezieht.” (René)
Spielt das Material, Nachhaltigkeit oder Langlebigkeit in Deinem Design eine besondere Rolle?
Ja, absolut. Die Suche nach dem richtigen Material hat viel Zeit in Anspruch genommen. Es sollte ökologisch unbedenklich sein, wenn es in die Erde gelegt wird, aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, in der Wohnung trotzdem stabil bleiben, sich aber im Boden wieder abbauen – und zudem 3D-druckbar sein. Für diesen Prozess haben wir einen großartigen Partner gefunden, der uns begleitet hat.
Hast Du Rückmeldungen zu Deiner Arbeit bekommen, die Du gerne teilen würdest?
Ich habe sehr unterschiedliche positive Rückmeldungen zu der Serie erhalten. Besonders bei der Minka-Urne wurde immer wieder die Assoziation zu ostasiatischer Architektur genannt – ein Vergleich, der mir sehr gefällt.
Wie begann bei Deiner Arbeit der Entwurfsprozess – mit einer Idee, einem Material oder einer Emotion?
Meine Arbeit beginnt immer mit dem genauen Verständnis des Themenfelds, des Teams und – in diesem Fall ganz besonders – der betroffenen Menschen. Darauf aufbauend haben wir im Team unterschiedliche Materialien, Verfahren und erste Grobkonzepte diskutiert und uns schließlich bewusst für den 3D-Druck entschieden.
“Ich wünsche mir, dass die Menschen beim Anblick einer meiner Urnen einen Moment der Ruhe und Wertschätzung spüren.” (René)
Der Tod ist in unserer Gesellschaft oft ein Tabuthema. Wie hältst Du es damit und hat Deine Arbeit an den Farvel-Urnen das irgendwie verändert?
Ich kann das aus persönlicher Erfahrung gut nachvollziehen. Abschiede sind nicht immer etwas Positives, besonders wenn sie unvorbereitet kommen. Ich glaube, dass wir in unserer Gesellschaft einen leichteren Umgang mit dem Tod nur durch Offenheit und viele kleine Schritte erreichen können. Ich hoffe, dass die Farvel-Urnen einen kleinen Beitrag dazu leisten, den Abschiedsprozess ein wenig zu erleichtern und ihm vielleicht sogar eine positivere, tröstliche Note zu geben.
Was wünschst Du Dir, was Menschen fühlen oder denken, wenn sie eine Farvel-Urne sehen?
Ich wünsche mir, dass die Menschen beim Anblick einer meiner Urnen einen Moment der Ruhe und Wertschätzung spüren. Dass sie den Abschied nicht nur als Verlust sehen, sondern auch als Gelegenheit, Erinnerungen zu bewahren und Nähe zu empfinden. Die Urne soll Raum schaffen – für persönliche Gedanken, Gefühle und Erinnerungen – und vielleicht ein kleines Gefühl von Trost geben.
Woran arbeitest Du aktuell, und ist es wahrscheinlich, dass wir von Dir nochmal eine Urne sehen?
Momentan arbeite ich wieder verstärkt an elek-tronischen Geräten – ein Radio, das intuitiv, haptisch und spielerisch bedienbar sein soll, und die zweite Generation eines Altersnotrufgeräts für die CARU AG in Zürich. Ob es noch einmal eine Urne von mir geben wird, weiß ich nicht. Was ich jedoch sicher sagen kann: Mit dem Team von Farvel würde ich jederzeit wieder zusammenarbeiten. Die Zusammenarbeit war inspirierend, und die Idee, einen so sensiblen Moment im Leben der Menschen mitzugestalten, bleibt etwas, das mich tief berührt hat.
René Odermatt
Produktdesigner aus Zürich, Schweiz